Diskussionen zur Evaluierung des Alkoholkonsumverbots am Praterstern

Der Standard berichtete am 21.1.2020 über „Zahlentrick bei Evaluierung des Alkoholverbots am Praterstern“ und löst dadurch kurzfristig breite Reaktionen zur Evaluierung des Alkoholkonsumverbots aus:

https://www.derstandard.at/story/2000113525775/zahlentrick-bei-evaluierung-des-alkoholverbots-am-praterstern

https://www.derstandard.at/story/2000113578192/alkoholverbot-am-praterstern-unnoetige-beschoenigung

https://www.derstandard.at/story/2000113575973/alkoholverbot-am-praterstern-buergermeister-sieht-keine-zahlentricks

https://wien.orf.at/stories/3030909/

https://kurier.at/chronik/oesterreich/alkoholverbot-am-praterstern-stadt-manipulierte-umfrage-ergebnis/400731795

https://www.diepresse.com/5755520/alkoholverbot-am-praterstern-ludwig-war-umfrage-egal-geschont-oder-nicht

Hier meine Einschätzung, wie ich die Streichung der „Weiß nicht“-Angaben zur Frage, ob sich das Sicherheitsempfinden durch das Alkoholkonsumverbots verändert hat:

Aus der Perspektive einer deskriptiven quantitativen Forschung, ist es zwar schon zulässig „neutrale“ Antworten zu streichen, um die Stimmung eher für oder eher dagegen deutlicher sehen zu können.

Bei der Frage, ob sich das Sicherheitsempfinden durch das Alkoholkonsumverbot verändert hat, halte ich es aber für fraglich, ob die Antworten „Weiß nicht“ einfach so zu streichen ist. Ein Teil dieses Antwortverhaltens könnte in Zusammenhang zu den Personen bestehen, die das Alkoholkonsumverbot gar nicht kennen. Egal, ob Personen die Maßnahmen kennen oder nicht, könnte das Antwortverhalten „Weiß nicht“ auch so gedeutet werden, dass diese Maßnahme sich auf das Sicherheitsempfinden nicht auswirkt. Man*frau könnte diese Antworten also genauso gut den „nein“-Antworten zurechnen….

Durch die Streichung der „weiß nicht“-Nennungen entsteht jetzt doch das Bild, dass es politisch opportuner erscheint, wenn von 68% Zustimmung gesprochen werden kann statt von 51%. Eine ganz feine Optik ist das nicht ….

Was ich allerdings mehr problematisiere, ist, dass das wissenschaftliche Vorgehen insgesamt nicht sehr transparent ist, weil der Bericht und die zugrundeliegende Daten nicht öffentlich zugänglich gemacht wurden. Ein Wesen der Demokratie ist es, dass Entscheidungen (faktenbasiert) öffentlich diskutiert werden können.

kurz: öffentlich finanzierte Evaluierung zu politischen Entscheidungen sollten auch öffentlich zugänglich sein.

Das Forschungsvorgehen ist für die Öffentlichkeit daher auch nicht gut nachvollziehbar. Wurde die Veränderung des Sicherheitsempfinden z.B. vor und nach Einführung der Maßnahme abgefragt? In welchen Kontext wurde gefragt, um  suggestive Fragen zu vermeiden („gewünschtes Antwortverhalten“), was zeigen die Polizei- Daten in einem längeren Verlauf, wer wurde befragt, wie hat sich die Situation der unterschiedlichen Nutzer*innen tatsächlich verändert und in welcher Verhältnismäßigkeit (Gegenüberstellung des Sicherheitsempfinden vs. Situation derer, die nun verdrängt wurden), welche Konsequenzen hat so eine Maßnahme in Betrachtung der ganzen Stadt und der Verschiebung von bestimmten Gruppen von einem  zu einem anderen Ort?

Meine zentrale Kritik am Alkoholverbot aber ist, dass eine Maßnahme der Verdrängung von Minderheiten und von Ausgrenzung betroffener Menschen auch nicht mit einem amorphen Gefühl der subjektiven Sicherheit legitimierbar ist.

ausführlicher zu meiner Einschätzung der Evaluierung: https://sozialerraum.wordpress.com/2019/07/18/evaluierung-des-alkoholkonsumverbots-am-praterstern/

und: https://sozialerraum.wordpress.com/2019/04/13/evaluierung-des-alkoholverbots-am-praterstern/