GWA-Tagung 2021 – Mit und nach der Corona-Krise: Transformation der Gemeinwesenorientierung in Erwachsenenbildung und Sozialer Arbeit

20. – 22. September 2021

Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) in St. Wolfgang

Die Corona-Pandemie hat gesellschaftliche Entwicklungen verstärkt, die schon vor der Pandemie bestanden haben. Neben der drängenden, durch Einsparungen mitverursachten Gesundheitskrise verschärfen sich bestehende ökonomische und soziale Ungleichheiten. Distanz wird zur Tugend, ersetzt Nähe und Solidarität. Der pandemische Ausnahmezustand beeinträchtigt demokratische Prozesse, Grundrechte können schnell außer Kraft gesetzt werden. Durch die eingeschränkte Nutzbarkeit des öffentlichen Raums hat eine Verschiebung in private und digitale Räume stattgefunden.

Folgende Fragen wollen wir im Rahmen der Tagung u.a. behandeln:

  • Was bedeuten die politischen und ökonomischen Verwerfungen, die sozialen und psychischen Auswirkungen der Corona-Krise für die Gemeinwesenarbeit?
  • Welche Erfahrungen haben wir mit Gemeinwesenorientierung in der Pandemie gemacht und welche Herausforderungen stellen sich?

Dabei nehmen wir drei gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick

  • Verteilungsfragen
  • Demokratische Veränderung
  • Räumliche Verschiebung zwischen öffentlich, privat und digital

Hier zur aktuellen Ausschreibung und Tagungsanmeldung: https://www.bifeb.at/programm/termin/calendar/2021/09/20/event/tx_cal_phpicalendar/mit_und_nach_der_corona_krise/

Platzverbot am Karlsplatz ist undemokratisch

Inzwischen ist das Platzverbot am Karlsplatz zwar aufgehoben – aber es könnte jederzeit wieder verhängt werden. Deswegen ist es wichtig, dass es eine politische Diskussion über den Umgang der Polizei mit dem öffentlichen Raum geben muss.

Die Sperrung des Karlsplatzes für alle Menschen in Wien ist demokratiepolitisch sehr gefährlich. Es ist nicht nur ungerecht, unverhältnismäßig, völlig überzogen und unangebracht gegenüber den Menschen, die den Platz zum Treffen und Feiern am Abend und in der Nacht genutzt haben. Die Begründung, dass Gefährdung bestehe, ist absurd – einerseits angesichts der aktuellen Infektionszahlen, andererseits angesichts dessen, dass das öffentliche Leben seit Tagen hochgefahren wird und in der Arbeitswelt in den letzten Monaten teilweise kaum eingeschränkt war. Dass Menschen den öffentlichen Raum dafür nutzen, sich zu treffen und zu feiern, stellt einen verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie dar. Der öffentliche Raum wird dafür genutzt, wofür er unter anderem da ist. In Kontakt mit anderen zu treten, zu kommunizieren, sich zu zeigen. Die konsumzwangfreie Nutzung des öffentlichen Raums scheint durch die Pandemie eine neue Qualität zu erlangen. Nun alle Menschen die Nutzung eines zentralen öffentlichen Raums zu untersagen und zwar ohne zeitliche Begrenzung (das Verbot könnten 3 Monate aufrecht bleiben), stellt einen neue undemokratische „Qualität“ dar. Der Karlsplatz wird nicht nur von jungen Menschen am Abend genutzt, sondern ist ein Treffpunkt für alle Menschen in Wien. Er hat eine transitorische Funktion, aber auch eine Erholungs- und Freizeitfunktion – auch für Kinder und deren Eltern am Spielplatz. Er ist eins symbolhafter innerstädtischer Raum (ohne Wohnbevölkerung in unmittelbarer Nachbarschaft), an dem sich die unterschiedlichsten urbanen Bedürfnisse treffen – ein Ort für die Universität, für Kulturinteressierte, für Tourist*innen – neben den lokalen Bedürfnissen des Aufenthalts und Treffens aus der Umgebung.

Es stellt sich die Frage, was offizielle (und gewählte) Repräsentant*innen der Stadt Wien zu dieser Polizeimaßnahme und Beschränkung „ihres“ öffentlichen Raums sagen.

Das Platzverbot am Karlsplatz stellt aber eine noch viel größere Gefahr für die Demokratie dar: Dass es möglich ist, dass die Polizei einen öffentlichen Platz mit fadenscheinigen Argumenten für 3 Monate für alle sperren kann, muss als Akt gegen die Demokratie gesehen werden. Das Treffen in öffentlichen Räumen hat nicht nur die Funktion der Erholung für Menschen. Er ist ein Ort, in dem Menschen sich freier von gesellschaftlichen Zwängen und Pflichten aufhalten können (außerhalb der Familie, außerhalb der Bildungs- und Arbeitswelt). Das ist nicht nur für die Entwicklung jugendlicher Menschen wichtig – und nicht nur für die Menschen, die sich weniger in kommerziellen Räumen aufhalten können. Der öffentliche Raum ist auch Begegnungsort von Menschen aus unterschiedlichen Milieus und Gruppen. Hier können sich Menschen außerhalb der Räume begegnen, in denen sie sich üblicherweise aufhalten (außerhalb ihrer „Blasen“). Der öffentliche Raum ist damit der Ort, an dem sich die Unterschiedlichkeit und Widersprüchlichkeit von Gesellschaft zeigen kann. Dabei geht es nicht in erster Linie um Kommunikation, sondern darum sichtbar zu sein und einander zu sehen und damit auch Teil von Gesellschaft zu sein. Wenn die Nutzung des öffentlichen Raums autoritär beschränkt wird, dann wird die Gesellschaft in ihrer Vielfalt unterdrückt – bekannt ist dies ja v.a. aus Diktaturen. Für diese demokratiepolitische Bedeutung des öffentlichen Raums muss wohl mehr Bewusstsein geschaffen werden – nicht nur bei der Polizei, sondern offensichtlich auch bei politisch Verantwortlichen.

Der öffentliche Raum gehört den Menschen und nicht der Polizei!

Campus Lecture – (Wie) Ist emanzipatorische Arbeit mit Rechtsorientierten möglich?

Freitag, 2.10.2020, 15.30-17.30 Uhr

ACHTUNG – Online-Veranstaltung:
https://fh-campuswien.zoom.us/j/93438627778

zoom-Meeting-ID: 934 3862 7778

Das Programm:

Beginn: 15.30 Uhr

Vortrag „(Wie) Ist emanzipatorische Arbeit mit Rechtsorientierten möglich?“
Michael May, Studiengangsleitung MAPS-Sozialraumentwicklung an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden

Diskussion
> Eva Grigori, BA MA, FH St. Pölten

> Mag.a Manuela Hofer, BA, FH Campus Wien

> Prof. Dr. habil. Michael May, Hochschule RheinMain Wiesbaden

> Moderation: FH-Prof. Christoph Stoik, MA, Masterstudiengang Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit

Details zur Veranstaltung

Ernst Bloch hat kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten seine Dialektik der Ungleichzeitigkeit als eine „kritische“ und zugleich „praktisch einhakende“ entwickelt. Dass diese auch heute noch Zugang für eine emanzipatorische Praxis Sozialer Arbeit sein kann, soll an zwei sehr unterschiedlichen Beispielen von jungen, sich rechts identifizierenden Männern gezeigt werden, die sich an gewalttätigen Übergriffen gegenüber Fremden aktiv beteiligt haben. Diese markieren zwei Extrempole des Spektrums gegenwärtiger Motivstrukturen, die in solch rechten Orientierungen und der Gewalt gegenüber Fremden wirksam werden. Sie verlangen im Anschluss an die Blochsche Dialektik unterschiedliche Ansätze einer emanzipatorischen Praxis Sozialer Arbeit, die dabei jedoch auch an ihre Grenzen stößt.

Diskussion: Eva Grigori beschäftigt sich unter anderem mit Rechtsextremismus und Sozialer Arbeit, und Manuela Hofer beschäftigt sich unter anderem mit diskriminierungskritischer Sozialer Arbeit und Offener Jugendarbeit, werden die Diskussion mit einer Kommentierung des Vortrags einleiten.

Wir bemühen uns um Streaming bzw. Aufnahme der Veranstaltung für jene Personen, die keinen Platz mehr bekommen.

Informationen bezüglich Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen während der Veranstaltung und an der FH Campus Wien werden gegebenenfalls rechtzeitig per Mail übermittelt.

GWA-Tagung in St.Wolfgang, 12.-14.10.20

„Nachhaltige Entwicklung in einer Welt der Ungleichheiten: eine Herausforderung für Erwachsenenbildung und Gemeinwesenarbeit“

am 12. Oktober 2020, 14:00 – 14. Oktober 2020 12:30

im Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb), Bürglstein 1 – 7, 5360 St. Wolfgang, Österreich.

Hauptreferate:

12.10.: Elisabeth Prugger und Armin Bernhard:
„Genossenschaftsbewegung als Akteurin einer nachhaltigen regionalen Entwicklung“,

13.10.: Ulrich Brand:
„Jenseits der imperialen Lebensweise. Die Corona-Krise als Chance?“:

weitere Informationen und Anmeldung:
https://www.bifeb.at/programm/termin/calendar/2020/10/12/event/tx_cal_phpicalendar/nachhaltige_entwicklung_in_einer_welt_der_ungleichheiten_eine_herausforderung_fuer_erwachsenenbildung_und_gemeinwesenarbeit/

Die Tagung soll vor Ort stattfinden. Sollte dies aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich sein, soll es einen virtuelle Alternative geben.

Auflösung aller Lager und Massenquartiere und Zugang zu einem eigenen privaten Wohnraum für alle Menschen in Österreich

Seit Beginn der Corona-Krise ist von verschiedenen Expert*innen auf die Problematik der Unterbringung von Menschen in Lagern und Massenquartieren hingewiesen worden – das betrifft von Wohnungslosigkeit betroffene Menschen ebenso wie geflüchtete Menschen. Nun wäre es wichtig, Lager und Massenquartiere aufzulösen und Programme zum Zugang zu einem eigenen privaten Wohnraum für alle Menschen in Österreich zu entwickeln. Dazu ruft der dieser offenen Brief von Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis Sozialer Arbeit an Bundesminister Rudolf Anschober und die Wr. Stadtregierung auf.

Offener Brief an
Bundesminister Rudolf Anschober
Bürgermeister Michael Ludwig
Vizebürgermeisterin Birgit Hebein
Stadträtin Kathrin Gaal
Stadtrat Peter Hacker

Die aktuelle Situation zeigt sehr deutlich, dass die Unterbringung von Menschen in Lagern und Massenquartieren krank macht und sogar lebensgefährlich sein kann. Nicht nur die Corona-Erkrankungen in der Flüchtlingseinrichtung „Haus Erdberg“ und in einer Wohnungsloseneinrichtung veranlassen die Unterzeichnenden zu diesem Brief. Schon lange ist aus Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit bekannt, dass die längerfristige Unterbringung in Massenquartieren, in denen geflüchtete und wohnungslose Menschen leben müssen, nicht nur gesundheitsgefährdend sind, sondern auch nicht den Standards von Wohnen entsprechen, die die meisten Menschen in Österreich erwarten und gewohnt sein sollten. Mit der Unterbringung in Massenquartieren geht einher, dass es keine privaten Rückzugsbereiche gibt und das Menschenrecht auf Privatsphäre somit nicht eingehalten wird. Das ist nicht nur in Zeiten der Corona-Krise gesundheitsgefährdend. Es schränkt die Möglichkeiten der Erholung ein und gefährdet damit auch die psychische Gesundheit.

Die Grundpfeiler des Wohnens und damit Voraussetzung für ein gesundes menschenwürdiges Leben beinhaltet die rechtlich abgesicherte Verfügung über einen eigenen Raum, der Privatheit und Beziehungspflege ermöglicht (vgl. ETHOS – Europäische Typologie für Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit und prekäre Wohnversorgung1).

Um die Menschen vor einer Corona-Erkrankung zu schützen, aber auch um zukünftig ein gesundes und menschenwürdiges Leben für alle Menschen, die in Österreich leben, zu ermöglichen, fordern die Unterzeichnenden die bald möglichste Auflösung aller Flüchtlingslager und Massenquartiere in Österreich. Notquartiere sollten ausschließlich der kurzfristigen und niederschwelligen Unterbringung dienen. Der Zugang zu einem eigenen privaten Wohnraum soll für alle Menschen, die in Österreich leben möglich sein – unabhängig von deren rechtlichen Status. Wir sind alle betroffen, in einer Gesellschaft zu leben, in der Menschen in gesundheitsgefährdenden bzw. menschenunwürdigen Wohnverhältnissen untergebracht sind.

Weiters fordern die Unterzeichnenden, dass auf kommunaler, Landes- und nationaler Ebene ein Plan zur Wohnversorgung und Wohnungssicherung für alle Menschen, die in Österreich leben, erarbeitet wird. Wir appellieren daran sowohl national als auch kommunal, sowie auf Ebene der Bundesländer die entsprechende Verantwortung zu übernehmen. Wir fordern insbesondere den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig, Vizebürgermeisterin Birgit Hebein, Stadträtin Kathrin Gaal für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen, sowie Stadtrat Peter Hacker für Soziales, Gesundheit und Sport auf, die Corona-Krise zum Anlass zu nehmen, moderne Konzepte der Wohnversorgung und -sicherung zu entwickeln, die einer wohlhabenden internationalen Metropole als solidarischer Stadt gerecht werden. Außerdem fordern wir den Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Rudolf Anschober auf, dieses Vorhaben mit nationalen Mittel und Anstrengungen zu unterstützen. Wir empfehlen die Nutzung der Expertise in Wissenschaft und Praxis Sozialer Arbeit zu international bewährten Konzepten und Modellen wie „housing first“.

Wir schließen uns in diesem Zusammenhang der Aufforderung der BAWO an die Bundesregierung „vom Krisenmanagement der Covid 19-Pandemie für die Zukunft lernen: Obdach- und Wohnungslosigkeit jetzt strukturell bekämpfen“ (https://bawo.at/aktuelles) an. Außerdem unterstützen wir die Forderung der BAWO nach Verankerung des Rechts auf Wohnen in der Verfassung, eine Ratifizierung der Paragrafen 30 und 31 der revidierten europäischen Sozialcharta zum Schutz vor Armut, Ausgrenzung und Wohnungslosigkeit sowie die Annahme des Zusatzprotokolls über Kollektivbeschwerden, um das Recht auch einklagbar zu machen.

Christoph Stoik (FH-Professor für Soziale Arbeit an der FH Campus Wien),
christoph.stoik@fh-campuswien.ac.at
KNAST – Kritisches Netzwerk aktivistischer Sozialer Arbeit,
knast@klingt.org

Initiative Sommerpaket

Kollektiv Raumstation Wien

Mieter*inneninitiative Wien (Mieterinnen.org)

Recht auf Stadt Netzwerk Wien

Seebrücke Wien

Straßenzeitung Augustin

Gabriele Bargehr, Msc (Organisations- u. Unternehmensberatung, Gender- und Diversity Management, Trainings, Moderationen, Supervision und Coaching)

Anna Fischlmayr (Sozialarbeiterin, nebenberuflich Lehrende an der FH Campus Wien)

Tina Füchslbauer (Sozialarbeiterin, nebenberuflich Lehrende an der FH Campus Wien)

Eva Grigori (FH-Dozentin Department Soziales FH St. Pölten)

Simon Güntner (Professor für Raumsoziologie, Fakultät für Architektur und Raumplanung, TU Wien)

Alexander Hamedinger (ao. Univ. Prof. der Stadt- und Regionalsoziologie, TU Wien, Fakultät für Architektur und Raumplanung, FB Soziologie)

Gabu Heindl, Architektin und Stadtplanerin in Wien, Gastprofessorin an der AA London

Manuela Hofer (Sozialarbeiterin und Politikwissenschaftlerin)

Walther Hohenbalken

Beatrix Kaiser (Sozialarbeiterin, klinische und Gesundheitspsychologin)

Johannes Kellner (Sozialarbeiter und Politikwissenschafter)

Katharina Kirsch-Soriano da Silva (Architektin und Stadtteilarbeiterin, Lektorin an der FH Campus Wien)

Raphaela Kogler (Soziologin und Bildungswissenschaftlerin)

Antje Haussen Lewis (Sozialarbeiterin in der Wohnungslosenhilfe, Lehrende an der FH Campus Wien)

Christine Mack

Erna Neumüller (Sozialarbeiterin, Supervisorin, Organisationsberaterin, ehrenamtliche Betreuung und Begleitung von rund 20 Flüchtlingen)

Johannes Polt

Judith Ranftler (Volkshilfe Österreich)

Verena Scharf (Lektorin FH Campus Wien)

Doris Stephan (Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, Lektorin an der FH Campus Wien)

Martin Tiefenthaler (Sozialarbeiter, nebenberuflich Lehrender FH Campus Wien)

Stella Vötsch

Bernhard Wernitznig (Sozialarbeiter Straßenzeitung Augustin & Berater Mieter*innen-Initiative)

Annika Zigelli (Mitarbeiterin beim Verein LOK und Aktivistin der Seebrücke Wien)

Sozialräumliche Soziale Arbeit und Corona

Der Soziale Raum wird durch die Maßnahmen und die Krisen, die durch den Corona-Virus ausgelöst wurden und noch werden, stark beeinflusst. Besonders plakativ wurde das rund um die Frage, wie mit den Menschen in unserer Gesellschaft umgegangen wird, die ausgegrenzt werden, wie Menschen die von Wohnungslosigkeit betroffen, oder geflüchtet sind. Es stellen sich viele Fragen: Wie werden die Menschen vor Corona geschützt, die von gesellschaftlicher Marginalisierung besonders betroffen sind? Welche privaten Räume stehen diesen Menschen zur Verfügung? Wie werden sie behandelt, wenn sie sich – mangels anderer Alternativen – im öffentlichen Raum aufhalten? Wie können sie überleben, wenn der öffentliche Raum fürs Überleben besonders wichtig ist, wie für Menschen, die aufs Betteln angewiesen sind, oder Sexarbeiter*innen? Wie geht die Gesellschaft mit häuslicher Gewalt um? Wo können sich Jugendliche aufhalten, ohne von Repression betroffen zu sein? Wie können Schüler*innen erreicht werden, die nicht so einfach über digitale Möglichkeiten verfügen? Und wie gehen wir mit der Armut um, die durch und nach Corona auf uns zukommen wird?
Fragen über Fragen, die uns noch lange beschäftigen werden.

Glücklicherweise gibt es digitale Räume für den Austausch wie
https://forum.coview.info/ – z.B. mit einer „social and political covid-19 watchgroup“
https://connect-sozial.at/ – speziell für Austausch und Interessen der Sozialen Arbeit – ausgehend von Eva Grigori und Michaela Moser von der FH St. Pölten.

Die Stellungnahmen u.a. aus der Sozialen Arbeit zur aktuellen Situation sind überaus interessant und wichtig, wie von der Initiative Sommerpaket oder einem offenen Brief mit Forderungen zur Wohnungspolitik:
https://sommerpaket.noblogs.org/
https://www.derstandard.at/story/2000116106436/sozialarbeiter-warnen-vor-todesfaellen-unter-obdachlosen-waehrend-corona-krise
https://www.derstandard.at/story/2000116946324/wer-zahlt-die-krise-forderungen-zur-wohnungspolitik-in-und-nach

Diese Fragen werden auch uns am Masterstudiengang „Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit“ sicher noch länger beschäftigen. Aufgrund der Corona-Krise müssen wir u.a. auch die Bewerbung unseres Studiengangs anpassen. So laden wir ein zu einer online-Infosession: https://fh-campuswien.zoom.us/webinar/register/WN_5Evi2qORSJ-0W_r6oRma_Q

 – mehr Infos unten. Wir freuen uns, Interessierte am Studium begrüßen zu können!

Die Anmeldung zu unserem Studiengang ist noch bis 31.5.20 möglich – mehr Infos im Anhang und über
https://www.fh-campuswien.ac.at/departments/soziales/%20studiengaenge/detail/sozialraumorientierte-und-klinische-soziale-arbeit.html

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Betreff: Masterstudiengang Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit – Informieren Sie sich digital!

Sehr geehrte Studien-Interessierte!

Leider mussten wir aufgrund der aktuellen Situation mit Covid 19 das Open House am 13. März 2020 absagen. Aber keine Panik! Wir versorgen Sie natürlich trotzdem mit ausreichend Informationen, damit Sie sich entsprechend über unseren Studiengang informieren können.

Mit der Online-Infosession bringen wir den Masterstudiengang Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit zu Ihnen nach Hause.

Am Mittwoch, 29.04.2020 um 19 Uhr werden Ihnen die Studiengangsleiterin FH-Prof. in Mag.a Dr.in Elisabeth Steiner und die beiden Vertiefungs-Koordinatoren Mag.a Saskia Ehrhardt, MA (Klinische Soziale Arbeit) und FH-Prof. Christoph Stoik, MA (Sozialraumorientierte Soziale Arbeit) in einem kurzen Infovortrag die wichtigsten Eckdaten des Studiums und der beiden wählbaren Vertiefungsrichtungen vorstellen. Anschließend steht das Team mittels Live-Chat für Ihre individuellen Fragen zur Verfügung.

Link zur Online-Infosession: https://fh-campuswien.zoom.us/webinar/register/WN_5Evi2qORSJ-0W_r6oRma_Q

Sie können nicht am Live-Infovortrag teilnehmen? Auch kein Problem! Der Infovortrag sowie die wichtigsten Fragen aus dem Live-Chat werden aufgezeichnet und anschließend für Sie auf der Homepage bereitgestellt.

Wir freuen uns, Ihnen einen digitalen Einblick in unseren Studiengang geben zu können und hoffen auf zahlreiche Teilnahme.

Mit freundlichen Grüßen,

das Team des Masterstudiengangs Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit

KV-Abschluss im SWÖ-Bereich wird der gesellschaftlichen Bedeutung der Arbeit im Gesundheits- und Sozialbereich nicht gerecht

Angesichts der Corona-Krise ist die gesellschaftlich Bedeutung der Arbeit im Gesundheits- und Sozialbereich besonders sichtbar geworden. Deutlich wird – nicht nur in den Krankenhäusern, dass eine neoliberale Politik des Kapitalismus, die die Ressourcen im Gesundheits- und Sozialbereich am Limit hält, Einrichtungen, die darin Beschäftigten – und letztendlich alle Menschen – gefährden. Der aktuelle Abschluss der KV-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) hätte diesen Erkenntnissen Rechnung tragen können und diese Arbeit endlich gesellschaftlich und materiell aufwerten können – überfällig, weil die Beschäftigten in diesen Bereichen im Vergleich zu vielen anderen Branchen viel schlechter bezahlt sind. Leider stellt der aktuelle KV-Abschluss alles andere als eine Aufwertung und eine Verbesserung der (materiellen) Arbeitsbedienungen dar. Besonders traurig sieht dabei die Gewerkschaft GPA-djp aus, die die Gunst der Stunde nicht nutzen kann. Es ist zu hoffen, dass die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich weiter kämpferisch bleiben und sich notfalls auch neben den Gewerkschaften organisieren, besonders wenn in der erwarteten Wirtschaftskrise, wieder von der Knappheit der Ressourcen geredet werden wird. Es reicht nicht, den Menschen, die „systemrelevante Arbeit“ verrichten, öffentlich zu applaudieren!

Übrigens: alle, die jetzt sagen, dass dieses Geld einfach nicht da ist, sagen nichts anderes, als, dass dieses System des Kapitalismus nicht geeignet ist, menschliche Bedürfnisse auch menschengerecht zu erfüllen – und dass das viele Kapital, das tatsächlich konzentriert vorhanden ist, nicht den Vielen dient…

Nur Brösel für die HeldInnen: Fataler Abschluss im Sozialbereich

https://www.facebook.com/sozialabernichtbloed/

Soziale Arbeit und Corona

„In der aktuellen Krise werden die Mängel in der Wohnungslosenhilfe sichtbar. Was wir brauchen, ist Wohnraum mit Privatsphäre, der den Personen zur Verfügung gestellt wird.“
Zusätzlich brauche es mehr finanzielle und personelle Ressourcen für die soziale Arbeit, sagt Lucia Palas.

Soziale Arbeit weist im Standard auf Missstände und Herausforderungen in der Wohnungslosenhife angesichts der Corona-Krise hin: https://www.derstandard.at/story/2000116106436/sozialarbeiter-warnen-vor-todesfaellen-unter-obdachlosen-waehrend-corona-krise

ich hab am 18.3. auf der fb-Gruppe aufgefordert:
Liebe Kolleg*innen!
weiß jemand von euch, wie es Menschen geht, die auf den öffentlichen Raum angewiesen sind? Wie geht die Polizei z.B. derzeit mit Menschen um, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind? Berichte sind hier möglich oder gern auch über pn an mich.

Inzwischen gibt es einige Vernetzungen, die es ermöglichen, sich zu auszutauchen und zu organisieren:

https://forum.coview.info/ – das ist übrigens eine überaus interessante „social and political covid-19 watchgroup“

https://connect-sozial.at/ – speziell für Austausch und Interessen der Sozialen Arbeit – ausgehend von Eva Grigori und Michaela Moser.

Diskussionen zur Evaluierung des Alkoholkonsumverbots am Praterstern

Der Standard berichtete am 21.1.2020 über „Zahlentrick bei Evaluierung des Alkoholverbots am Praterstern“ und löst dadurch kurzfristig breite Reaktionen zur Evaluierung des Alkoholkonsumverbots aus:

https://www.derstandard.at/story/2000113525775/zahlentrick-bei-evaluierung-des-alkoholverbots-am-praterstern

https://www.derstandard.at/story/2000113578192/alkoholverbot-am-praterstern-unnoetige-beschoenigung

https://www.derstandard.at/story/2000113575973/alkoholverbot-am-praterstern-buergermeister-sieht-keine-zahlentricks

https://wien.orf.at/stories/3030909/

https://kurier.at/chronik/oesterreich/alkoholverbot-am-praterstern-stadt-manipulierte-umfrage-ergebnis/400731795

https://www.diepresse.com/5755520/alkoholverbot-am-praterstern-ludwig-war-umfrage-egal-geschont-oder-nicht

Hier meine Einschätzung, wie ich die Streichung der „Weiß nicht“-Angaben zur Frage, ob sich das Sicherheitsempfinden durch das Alkoholkonsumverbots verändert hat:

Aus der Perspektive einer deskriptiven quantitativen Forschung, ist es zwar schon zulässig „neutrale“ Antworten zu streichen, um die Stimmung eher für oder eher dagegen deutlicher sehen zu können.

Bei der Frage, ob sich das Sicherheitsempfinden durch das Alkoholkonsumverbot verändert hat, halte ich es aber für fraglich, ob die Antworten „Weiß nicht“ einfach so zu streichen ist. Ein Teil dieses Antwortverhaltens könnte in Zusammenhang zu den Personen bestehen, die das Alkoholkonsumverbot gar nicht kennen. Egal, ob Personen die Maßnahmen kennen oder nicht, könnte das Antwortverhalten „Weiß nicht“ auch so gedeutet werden, dass diese Maßnahme sich auf das Sicherheitsempfinden nicht auswirkt. Man*frau könnte diese Antworten also genauso gut den „nein“-Antworten zurechnen….

Durch die Streichung der „weiß nicht“-Nennungen entsteht jetzt doch das Bild, dass es politisch opportuner erscheint, wenn von 68% Zustimmung gesprochen werden kann statt von 51%. Eine ganz feine Optik ist das nicht ….

Was ich allerdings mehr problematisiere, ist, dass das wissenschaftliche Vorgehen insgesamt nicht sehr transparent ist, weil der Bericht und die zugrundeliegende Daten nicht öffentlich zugänglich gemacht wurden. Ein Wesen der Demokratie ist es, dass Entscheidungen (faktenbasiert) öffentlich diskutiert werden können.

kurz: öffentlich finanzierte Evaluierung zu politischen Entscheidungen sollten auch öffentlich zugänglich sein.

Das Forschungsvorgehen ist für die Öffentlichkeit daher auch nicht gut nachvollziehbar. Wurde die Veränderung des Sicherheitsempfinden z.B. vor und nach Einführung der Maßnahme abgefragt? In welchen Kontext wurde gefragt, um  suggestive Fragen zu vermeiden („gewünschtes Antwortverhalten“), was zeigen die Polizei- Daten in einem längeren Verlauf, wer wurde befragt, wie hat sich die Situation der unterschiedlichen Nutzer*innen tatsächlich verändert und in welcher Verhältnismäßigkeit (Gegenüberstellung des Sicherheitsempfinden vs. Situation derer, die nun verdrängt wurden), welche Konsequenzen hat so eine Maßnahme in Betrachtung der ganzen Stadt und der Verschiebung von bestimmten Gruppen von einem  zu einem anderen Ort?

Meine zentrale Kritik am Alkoholverbot aber ist, dass eine Maßnahme der Verdrängung von Minderheiten und von Ausgrenzung betroffener Menschen auch nicht mit einem amorphen Gefühl der subjektiven Sicherheit legitimierbar ist.

ausführlicher zu meiner Einschätzung der Evaluierung: https://sozialerraum.wordpress.com/2019/07/18/evaluierung-des-alkoholkonsumverbots-am-praterstern/

und: https://sozialerraum.wordpress.com/2019/04/13/evaluierung-des-alkoholverbots-am-praterstern/

Call for Papers: Virtuelle Räume in der Sozialen Arbeit – ogsaForum am 02.03.2020 an der FH OÖ, Campus Linz

Im Rahmen des ogsaForums am 02.03.2020 an der FH OÖ, Campus Linz organisieren wir ein Panel zum Thema „Virtueller Räume in der Sozialen Arbeit„. Wir freuen uns über Einreichungen zu diesem Thema, insbesondere aus Abschlussarbeiten von Bachelor und Masterstudiengängen!
Wir bitten um Einreichung bis 10.2.2020
an christoph.stoik@fh-campuswien.ac.at
Das paper soll Ausgangssituation, Ziel, Vorgehensweise und Erkenntnisse des (Foschungs-)Projekts beinhalten und maximal 2 Seiten lang sein!
inhaltliche Konzeption des panels:

„Virtuelle Räume“, „Digitalisierung“, „Mediatisierung“ und „vireale Räume“ verweisen darauf, dass sogen. neue Medien und Technologien Alltagswelten ebenso beeinflussen wie professionelle. Es wird von neuen sozialen Räumen gesprochen, die Einfluss auf die „realen“ Welten haben. Gleichgültig aus welcher fachlicher Perspektive betrachtet (von der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, über die aufsuchende Sozialen Arbeit und virtuelle Nachbarschaftsräume bis zur Arbeit von Sozialarbeiter*innen mit neuen Technologien), ist deutlich, dass sich eine sozialräumliche Soziale Arbeit mit virtuellen Räumen auseinander setzen muss. Im Panel wollen wir aktuellen Forschungs- und theoretischen Arbeiten, wie Masterarbeiten einen Raum eröffnen, Erkenntnisse aus diesen vorzustellen und zu diskutieren.