GWA Tagung Strobl 2019

Einladung zur
GWA-Tagung
im Bundesinstitut für Erwachsenenbildung

Mi, 23. Oktober 2019, 14:00 bis
Fr, 25. Oktober 2019, 12:00

Die Zivilgesellschaft, ein umkämpftes Feld: Herausforderungen für Erwachsenenbildung und Gemeinwesenarbeit

weitere Informationen und Anmeldung:

https://www.bifeb.at/programm/termin/calendar/2019/10/23/event/tx_cal_phpicalendar/die_zivilgesellschaft_ein_umkaempftes_feld_herausforderungen_fuer_erwachsenenbildung_und_gemeinwesenarbeit/

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offener Brief zu Alkoholverbot am Praterstern und Hausordnung auf der Kaiserwiese

offener Brief der Bürgerinitiative „Kaiserwiese für Allle!“ an Wiener Stadtregierung mit der Bitte, das Alkoholverbot am Praterstern zu überdenken und die Hausordnung auf der Kaiserwiese auszusetzen:
 
„Am 20. April 2019 wurden zwei Mitglieder unserer BürgerInneninitiative ZeugInnen solch einer Wegweisung und wir müssen Ihnen sagen – es ist rassistisch, diskriminierend und zutiefst beschämend für ein sich selbst als weltoffene Stadt sehendes Wien.“
 
der gesamte Brief im originalen Wortlaut:

OFFENER BRIEF Alkoholverbot Praterstern & Hausordnung Kaiserwiese

Sehr geehrte Frau Mag.a Sima,
Sehr geehrte Frau Hebein,
Sehr geehrter Herr Hacker,

wir möchten mit diesem Schreiben einen dringenden Appell an Sie richten, das Alkoholverbot am Praterstern, dessen Evaluierung ja nach einem Jahr versprochen wurde, zu überdenken. Weiters ersuchen wir um eine sofortige Aussetzung der Hausordnung auf der Kaiserwiese durch die Prater Wien GmbH.

Seit Herbst 2014 setzen wir uns als BürgerInneninitiative „Kaiserwiese für Alle“ für eine konsumfreie und für alle Menschen frei zugängliche Kaiserwiese ein. Dabei geht es uns nicht um die kleineren Veranstaltungen, als vielmehr um die zunehmende Vereinnahmung der Kaiserwiese als Veranstaltungsort für mehrwöchige bzw. mehrmonatige Veranstaltungen. Dass dabei die mehrwöchige Großveranstaltung „Wiener Wiesn“ besonders unangenehm heraussticht, muss an dieser Stelle vermutlich nicht extra betont werden.

Im April 2018 wurde am Praterstern und in der Venediger Au ein Alkoholverbot verhängt. Die Kaiserwiese ist davon ausgenommen. Argumentiert wurde das Verbot mit der Zunahme der Beschwerden von AnrainerInnen. Schon Monate davor wurde durch die Boulevardmedien begonnen, den Praterstern zum Kriminalitäts-Hot-Spot hochzuschreiben. War der Praterstern doch Treffpunkt von MigrantInnen, Suchtkranken oder Obdachlosen. Ja, zugegeben, der Anblick war manchmal nicht einfach zu ertragen. Doch das ist Armut nie.

Durch das Alkoholverbot wurden diese Menschen vom öffentlichen Platz vertrieben, was offenbar genau dessen Zweck war. Quasi nach dem Motto, wenn man Armut nicht sieht, dann existiert sie auch nicht. Ganz so einfach ist die Welt aber nicht. So sind viele dieser Menschen einfach auf andere Plätze ausgewichen und manche von ihnen halt auch auf die Kaiserwiese.

Im Mai 2018 wurde plötzlich von der Prater Wien GmbH eine Hausordnung für den Wurstelprater und der Kaiserwiese erlassen. Diese Hausordnung untersagt u.a. auch das „Herumlungern“ auf der Kaiserwiese. Private Securitys wurden ermächtigt, unerwünschte Personen, die vielleicht nach deren Ansicht „herumlungern“, wegzuweisen. Doch zu durchschaubar ist diese Hausordnung. Man hat ganz einfach die zuvor auf dem Praterstern unerwünschten Personen nun auch auf der Kaiserwiese zu unerwünschten Personen erklärt. Abgesehen davon, ist uns nicht klar auf welch rechtliche Grundlagen sich dieser private Securitydienst eigentlich beruft?

Am 20. April 2019 wurden zwei Mitglieder unserer BürgerInneninitiative ZeugInnen solch einer Wegweisung und wir müssen Ihnen sagen – es ist rassistisch, diskriminierend und zutiefst beschämend für ein sich selbst als weltoffene Stadt sehendes Wien. Es geht schlicht um die Vertreibung nicht erwünschter ersonen aus öffentlichen Plätzen. Wäre das Alkoholverbot auch nur annähernd ernst gemeint, so hätte dieses stringenter Weise von vornherein auch für die Kaiserwiese ausgesprochen werden müssen. Das ist aber nicht möglich, sonst würde man sich selbst die kommerzielle Verwertung der Kaiserwiese verunmöglichen. Zieht man die „Wiener Wiesn“ als Beispiel heran, so heißt es wohl „wenn du zahlen kannst, dann darfst du dort saufen bis zum Umfallen“.

Wir würden uns wünschen, dass zumindest unter einer rot/grünen Stadtregierung nicht die Armen, sondern die Armut bekämpft wird und eine soziale Lösung für den Praterstern und eine gerechte Lösung für die Kaiserwiese gefunden wird.

Wie hat Andre Holm im Vorwort zur von der AK herausgegebenen Publikation „Wien wächst – Öffentlicher Raum“ geschrieben? „Doch ohne öffentlichen Räume wird es keine soziale Stadt geben.“

Mit der Bitte um Ihre Rückmeldung verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

…………………………………………………

Kaiserwiese Für Alle!

Autorin: Sabine Edler

Evaluierung des Alkoholverbots am Praterstern

Am 27.4.2019 jährt sich die Einführung des Alkoholverbots am Praterstern. Bei der Einführung war die Rede davon, dass diese Maßnahme nach einem Jahr evaluiert werden soll. Die Evaluierung wird in Kürze erwartet. Aber es stellt sich die Fragen, nach welchen Kriterien diese Evaluierung erfolgen soll – denn je nach Perspektive wird der „Erfolg“ des Alkoholverbots unterschiedliche ausfallen.
Im Folgenden sind mögliche Erfolgskriterien, die für eine faktenbasierte aber auch politische Bewertung herangezogen werden könnten, jeweils kurz dargestellt.

1. Erfolgskriterium „die Beschwerden von Nutzer*innen des Pratersterns haben sich reduziert“

Diese Kriterium kann nur sehr eingeschränkt ausschließlich durch die Betrachtung der Situation am Praterstern herangezogen werden. Das Alkoholverbot hat sich auf Menschen bezogen, die auf den Aufenthalt im öffentlichen Raum angewiesen sind – das sind v.a. Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Das Alkoholverbot auf einem Platz bewirkt lediglich die Verdrängung der betroffenen Menschen auf andere Plätze. Solange wir in einer Gesellschaft leben, die Armut und Wohnungslosigkeit produziert, wird die Maßnahme eines Alkoholverbots nicht verhindern, dass betroffene Menschen im öffentlichen Raum sichtbar werden. Im Gegenteil: mit der geplanten Änderung der Mindestsicherung, müssen wir davon ausgehen, dass Armut sich noch mehr manifestiert und auch im öffentlichen Raum sichtbar wird. Es ist also fraglich, ob Beschwerden über Armutserscheinungen in Wien durch Alkoholverbote tatsächlich abnehmen werden.

2. Erfolgskriterium „die Beschwerden von Anrainer*innen des Pratersterns haben sich reduziert“

Zu betrachten wäre, wohin betroffene Menschen ausgewichen sind. Wenn sie vom Praterstern in Wohngebiete ausgewichen sind, so wie das tatsächlich beobachtbar war, dann werden Probleme nicht nur räumlich verlagert, sondern auch verschärft. Während ein zentral gelegener Platz wohnungslosen Menschen Infrastruktur zur Verfügung stellen kann, wie sanitäre Anlagen, können das dezentrale Orte in Wohngebieten nicht. Ob dann Anrainer*innen weniger betroffen sind als vor dem Alkoholverbot, müsste folglich Gegenstand einer Evaluierung sein.

3. Erfolgskriterium „Hilfe für Menschen, die von Marginalisierung betroffen sind.“

Es ist ja fraglich, ob dies jemals ein Kriterium war, das zur Einführung des Alkoholverbots herangezogen wurde. Die Soziale Arbeit hat schon im Vorfeld immer wieder darauf hingewiesen, dass Alkoholverbote keine Verbesserung der Lebenssituation von Menschen bringen, die von Marginalisierung und Ausgrenzung betroffen sind. Im Gegenteil: die betroffenen Menschen können von der Sozialen Arbeit schlechter erreicht und angesprochen werden, wenn sie vertrieben und „mobilisiert“ werden. Auch die Deckung lebensnotwendiger Bedürfnisse (z.B. mit sanitären Anlagen – siehe Punkt 2.) ist in dezentralen Orten schwieriger bzw. nicht möglich. Die gesellschaftliche Ausgrenzung, die sich durch das Alkoholverbot dann auch auf den Aufenthalt im öffentlichen Raum bezieht, verstärkt nur die Marginalisierung und ist für die Inklusion von Menschen kontraproduktiv.

4. Erfolgskriterium „Hilfe für erkrankte Alkoholkonsument*innen“

Auch dieses Kriterium dürfte nicht als Grundlage für die Einführung des Alkoholverbots gedient haben. Das Verbot von Alkoholkonsum führt nicht dazu, dass Menschen in Therapie gehen. Im Gegenteil: auch hier gilt: Durch das Alkoholverbot wird es schwieriger, Menschen zu erreichen und den Zugang zur Therapie zu erleichtern.

5. Erfolgskriterium „Medien wird die Grundlage entzogen stigmatisierend zu berichten“

Tatsächlich war der Praterstern für Boulevardmedien ein Ort, von dem populistisch berichtet werden konnte, ohne viel journalistische Arbeit in Recherche „verlieren“ zu müssen. Diese Berichterstattung bringt für marginalisierte Menschen, Anrainer*innen und Kommunalpolitiker*innen gleichermaßen Nachteile. Sie stigmatisiert marginalisierte Menschen und Anrainer*innen von stigmatisierten Plätzen und sie erzeugt populistischen Druck auf Politiker*innen. Eine Medienanalyse könnte Aufschluss darüber geben, ob die populistische Berichterstattung zum Praterstern tatsächlich abgenommen hat. Aber auch diese Analyse kann nicht unberücksichtigt lassen, wenn durch Verdrängungsphänomene dafür andere Orte in der Stadt Gegenstand populistischer Berichterstattung werden.
Eine systematische Analyse dazu wäre interessant.

6. Erfolgskriterium „Zustimmung durch Wähler“

Dieses Kriterium ist eher eines, das über Wahlen zeigen wird, ob eine „law and order“-Politik der Sozialdemokratie helfen wird, Wahlen zu gewinnen. Ob die Menschen, die 2015 Michael Häupl aufgrund seiner klaren Positionierung zur Fluchtbewegung gewählt haben, auch einer populistischen Ordnungspolitik zustimmen werden, könnte Gegenstand politikwissenschaftlicher Untersuchungen sein, oder eben in Gemeinde- und Bezirksratsahlen Einfluss nehmen und sichtbar werden.

7. Erfolgskriterium „Bearbeitung gesellschaftlich produzierte Probleme“

Wenn davon ausgegangen wird, dass Alkoholkonsum im öffentlichen Raum auch ein Ausdruck von Armut ist, dann stellt sich die Frage, wie ein Alkoholverbot ein Beitrag dazu sein kann, Armutsentwicklungen, die durch kommunale und nationale Entscheidungen, sowie internationale Entwicklungen (z.B. Armutsmigration) beeinflusst werden, zu bekämpfen. Es ist zu bezweifeln, dass ein Alkoholverbot irgendeinen Einfluss darauf hat. Untersucht werden müsste, ob diese Maßnahme nicht eher zu einer Verschärfung von Ausgrenzung führt, auch weil das gesellschaftliche Klima, Armut grundlegend zu bekämpfen, negativ beeinflusst wird. Es ist zu vermuten, dass ein Alkoholverbot mehr darauf wirkt, dass die Zustimmung Arme zu bekämpfen zunimmt, während die Zustimmung Armut zu bekämpfen abnimmt.

8. Erfolgskriterium „Reduktion von Alkoholmissbrauch“

Es ist davon auszugehen, dass dieses Kriterium nicht Grundlage für die Einführung des Alkoholverbots am Praterstern war, denn dann hätten Veranstaltung wie die „Wiener Wiesen“ gleichermaßen verboten werden müssen.

9. Erfolgskriterium „Aufwertung und Kommerzialisierung des Pratersterns“

Wenn das Alkoholverbot darauf abgezielt hat, dass der Praterstern noch stärker kommerziell genutzt werden kann, um private Gewinninteressen zu folgen, wäre es interessant, dies transparent zu machen und ebenfalls zu untersuchen. Die Kommerzialisierung hätte allerdings Folgekosten für den öffentlichen Bereich, wie weniger öffentlich verfügbaren Raum und höhere Wohnkosten.

Eine faktisch begründete Evaluierung wäre zu begrüßen. Diese müsste offenlegen, welche Erwartungen mit der Einführung des Alkoholverbots erfüllt worden sind und schließlich faktenbasiert Grundlagen für die Fortführung, Beendigung oder Erweiterung des Alkoholverbots sein. Sie würde ermöglichen das Wechselverhältnis wissensbasierter Fakten und politische Entscheidungen wieder mehr transparent zu machen.

Christoph Stoik
FH-Professor am FH Campus Wien, sowie Sprecher der AG „Sozialer Raum“ der Wissenschaftlichen Gesellschaft der Sozialen Arbeit (OGSA), christoph.stoik@fh-campuswien.ac.at

Hausordnung auf Kaiserwiese – weiterer Schritt der Privatisierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raums

Erstmals in Wien gilt seit ca. einem Jahr eine Hausordnung, die u.a. das „Herumlungern“ in einem öffentlichen Raum verbietet. Damit wird nicht nur die öffentliche Nutzung eingeschränkt, sondern auch öffentlicher Raum durch Private reguliert: Die Hausordnung auf der Kaiserwiese hat zur Folge, dass ein privater Sicherheitsdienst den Aufenthalt von Menschen einschränkt. Wie beim Alkoholverbot sind von Verdrängung v.a. Menschen betroffen, die besonders auf den öffentlichen Raum angewiesen sind, wie Wohnungslose. Während Menschen verdrängt werden, die von wem auch immer unerwünscht sind, steht die Kaiserwiese für kommerzielle Interessen wie für die „Wiener Wiesn“ zur Verfügung. Die Stadt Wien unterstützt dabei nicht nur private Gewinninteressen auf öffentlich finanzierten Räumen, sondern sie entzieht diese Räume der allgemeinen Nutzung. Ein besonderer Paradigmenwechsel ist allerdings, dass Wien privaten Diensten Gewalt über öffentliche Räume übergibt – ein Tabubruch, der Jahrzehntelang undenkbar war.

Im Standard spreche ich daher von einem „Dammbruch“, der im Widerspruch zum Fachkonzept öffentlicher Raum und zum Mission Statement „Soziale Arbeit im öffentlichen Raum steht – beides offizielle Papiere der Stadt Wien:

https://derstandard.at/2000100827709/Keine-Einigung-bei-Hausordnung-auf-Kaiserwiese-im-Prater

Das Alkoholverbot am Praterstern wird inzwischen übrigens auch von den Jugendorganisationen der SPÖ. als „zutiefst reaktionäre Politik“ bezeichnet:

https://mobil.derstandard.at/2000101312246/SPOe-Jugend-gegen-Alkoholverbot-am-Praterstern

Nachschau Campus Lectures: StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt am 29.3.19

Sabine Stövesand von der University of Applied Sciences Hamburg stellte am 29.3.2019 im Rahmen einer Campus Lectures das sozialraumbezogene Handlungskonzept zur Prävention häuslicher Gewalt mit dem Titel StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt vor.

Gewalt findet nicht im luftleeren Raum statt. Oft weiß das soziale Umfeld davon, Nachbarn ahnen, hören, sehen etwas. Ihre (Nicht) Reaktion hat Einfluss, kann Täter ermutigen oder behindern. In Krisensituationen sind sie diejenigen, die am schnellsten für die Betroffenen erreichbar wären und umgekehrt den kürzesten Weg haben, um zu intervenieren. Gewaltbetroffene sind um so gefährdeter, je weniger sozial eingebunden sie sind und je anonymer, indifferenter die Nachbarschaft ist. Studien belegen, dass die Zahl tödlicher Beziehungs- und auch schwerer Partnergewalt in guten und einmischungsbereiten Nachbarschaft signifikant niedriger liegt als in anderen Quartieren. Hier setzt die Arbeit von StoP an. Auf fachlicher Grundlage der Gemeinwesenarbeit geht es um Enttabuisierung, Bewusstseinsbildung, den Aufbau sozialer Unterstützung bzw. die Förderung von Veröffentlichungs- und Interventionsbereitschaft durch Betroffene, Nachbarschaft und lokale Akteur*innen.

Mit dem Nachbarschaftsprojekt „StoP Partnergewalt“ in Wien – Margareten wird seit Februar 2019 versucht, Menschen in Stadtteilen für das Thema häusliche Gewalt zu sensibilisieren und die Nachbarschaft zu mobilisieren.

In der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema Involvierung von Nachbarschaft zu häuslicher Gewalt debattierten Maria Rösslhumer (Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser), Evelyn Wysoudil (Stellvertretende Teamleitung wohnpartner) und Sabine Stövesand unter der Moderation von Christoph Stoik vom Masterstudiengang Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit.

Zentrale Diskussionspunkte waren der Umgang mit territorialer Stigmatisierung sowie mit der Instrumentalisierung sozialer Kontrolle zur Ausgrenzung von Minderheiten und der Bekämpfung „unerwünschtem Verhalten“ in Stadtteilen (wie in Programmen „lokaler Sicherheitspartnerschaften“):

Diskutiert wurde, wie mit sozialräumlicher Stigmatisierung umgegangen werden kann. Durch die Arbeit mit einer Nachbarschaft besteht die Gefahr, dass das Phänomen häuslicher Gewalt einem Stadtteil und deren Bewohner*innen zugeschrieben wird. Das Bild, dass Partnergewalt verstärkt in benachteiligten Gebieten vorhanden ist, könnte entstehen, was den empirischen Wissen aber widerspricht. Häusliche Gewalt kommt in allen Milieus und unabhängig von kultureller Herkunft gleichermaßen vor. In der Diskussion wurde betont, dass einzelne Stadtteile nur Ausgangspunkte dafür sein können, auf die gesellschaftliche Dimension dieser Gewalt in privaten Kontexten hinzuweisen. Durch sozialräumliche Projekte wie StoP werden Menschen gestärkt, sich öffentliche zu äußern. Mit dem gemeinwesenorientierten Ansätzen findet Empowerment statt und Diskurse sollen geöffnet werden. Die Heterogenität der Menschen in den Projekten und Nachbarschaften sollen betont werden. Und ein Stadtteil ohne Partnergewalt soll zum Vorbild für andere werden – auch mit homogeneren bzw. wohlhabendere Bewohner*innen-Strukturen.

Die Öffnung von Diskursen, die emanzipatorische Ausrichtung und die Heterogenität wurden auch in Bezug auf den Umgang mit der sozialen Kontrolle diskutiert, die durch das Projekt StoP gestärkt wird. Hinterfragt wurde, ob die Stärkung von Nachbarschaften nicht für die Durchsetzung von Normvorstellungen einer Mehrheit gegen Minderheiten missbraucht werden könnte, so wie es in Programmen der lokalen Sicherheitspartnerschaften geschieht. StoP hingegen ist darauf ausgerichtet, Minderheiten zu stärken und gesellschaftlich marginalisierte Themen öffentlicher zu machen.

StoP zielt also mit der Öffnung von Diskursen im Stadtteil, mit einer emanzipatorische Ausrichtung und der Betonung von Heterogenität darauf ab, die gesellschaftliche Dimension von Partnergewalt entgegen gebiets- bzw. milieubezogenen Zuschreibungen sichtbarer zu machen, sowie nachbarschaftliche Sensibilität und Unterstützungspotenziale zu stärken, ohne Schließungs- und Ausgrenzungsprozesse zu befördern. Das Interesse an der Ausweitung des Projektansatzes auf weitere Gebiete in Deutschland und Österreich ist hoch, was sich auch in der Veranstaltung gezeigt hat.

http://www.stop-partnergewalt.at

StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt

Ein sozialraumbezogenes Handlungskonzept zur Prävention häuslicher Gewalt

Freitag, 29. März 2019, 15.30 Uhr

FH Campus Wien, B.E.01, Favoritenstraße 226, 1100 Wien

Ggewaltbetroffene sind umso gefährdeter, je weniger sozial eingebunden sie sind und je anonymer, indifferenter die Nachbarschaft ist. Hier setzt die Arbeit von StoP an: Auf fachlicher Grundlage der Gemeinwesenarbeit geht es um Enttabuisierung, Bewusstseinsbildung, den Aufbau sozialer Unterstützung bzw. die Förderung von Veröffentlichungs­ und Interventionsbereitschaft durch Betroffene, Nachbarschaft und lokale Akteur*innen.

Mit dem Nachbarschaftsprojekt „StoP Partnergewalt“ in Wien – Margareten wird seit Februar 2019 versucht, Menschen in Stadtteilen für das Thema häusliche Gewalt zu sensibilisieren und die Nachbarschaft zu mobilisieren.

Der Masterstudiengang Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit der FH Campus Wien lädt zur Campus Lectures ein:

15.30 Uhr Vorstellung des Konzepts StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt

> Sabine Stövesand, University of Applied Sciences Hamburg

 

16.15 Uhr Podiumsdiskussion: Involvierung von Nachbarschaft zu häuslicher Gewalt

> Maria Rösslhumer, Verein Autonome Österreichische Frauen Häuser

> Evelyn Wysoudil, Stellvertretende Teamleitung wohnpartner – Einrichtung zu Nachbarschaft im kommunalen Wohnbau

> Sabine Stövesand, HAW Hamburg

> Moderation: Christoph Stoik, Masterstudiengang Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit

 

17.30 Uhr Informeller Ausklang

 

Details zur Veranstaltung

 

Wir bitten um Anmeldung per E-Mail bis 26. März an:

sozialklinisch@fh-campuswien.ac.at

ogsa-Tagung „Gefährdete Demokratie, Exklusion und Soziale Arbeit“

Unter dem Titel „Gefährdete Demokratie, Exklusion und Soziale Arbeit“ findet vom Mo, 18. bis Di, 19. März 2019 die 4. Tagung der ogsa an der FH Salzburg statt. Auf der Website http://www.ogsa.at/tagung2019 sind alle Informationen zum Tagungsprogramm, zu den Teilnahmegebühren, Anreise und Übernachtung sowie die Möglichkeit zur Anmeldung! Early-bird-tickets noch bis 15.2. möglich!
 
Im Rahmen der Tagung wollen wir auch zum Symposium der AG „Sozialer Raum“ am 19.3. herzlich einladen:
 
10.00- 11.15
Die Relevanz der Empirie für raumbezogenes Arbeiten
mit Manuela Brandstetter
 
11.15-12.30
Wohnraumversorgung in der wachsenden Stadt
Diskussion mit Kolleg*innen aus der Wohnungslosenhilfe und der Stadtteilarbeit 
 
Das Symposium gliedert sich in zwei Teile:
 
Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit der Relevanz der Empirie für raumbezogenes Arbeiten. Manuela Brandstetter wird Erkenntnisse aus ihrer Habilitationsschrift zu organisationspädagogischer Gestaltung von Jugendarbeit in ländlichen Gemeinden vorstellen und zur Diskussion stellen.
 
Im zweiten Teil setzen wir uns mit den Herausforderungen auseinander, Menschen in der wachsenden Stadt mit Wohnraum zu versorgen. In einer Podiumsdiskussion werden wir die Situation mit Blick auf österreichische Städte analysieren und Konsequenzen für die soziale Arbeit herausarbeiten.
Diskussion mit
 
Roswitha Harner, Referentin Grundlagen & Innovation, neunerhaus und Referentin im Projekt „Wohnen für Alle. Leistbar. Dauerhaft. Inklusiv“ der BAWO Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe
 
Katharina Kirsch-Soriano da Silva, Leiterin der Stadtteilarbeit der Caritas Wien
 
Christian Reisinger, Bewohnerservice Lehen der Stadt Salzburg